Wie man mit 2 (oder mehr) Katzen Clickertraining macht

Katzen brauchen viel Beschäftigung, besonders junge Katzen. Clickertraining ist dafür ideal: Es lastet den Kopf aus, stärkt eure Bindung und macht einfach Spaß.

Wenn du gerade mit dem Training startest, fragst du dich bestimmt: Wie mache ich das mit mehreren Katzen? Einzeln oder am besten zusammen? Natürlich soll keine Katze traurig im Nebenzimmer warten – jeder weiß, wie sehr Katzen geschlossene Türen hassen.

Ich erkläre dir in diesem Blogartikel, wie du es hinkriegst mit 2 oder mehr Katzen zusammen zu trainieren.

Vorteile des gemeinsamen Clickertrainings

Es gibt ein paar richtig gute Argumente dafür, deine Katzen zusammen zu trainieren:

  • Lernen durch Zuschauen (Lernen am Modell): Katzen können sich Dinge voneinander abschauen. Wenn eine Katze sieht, dass die andere für eine Übung belohnt wird wie z.B. für das Pfote geben, versteht sie oft viel schneller, was wir von ihr wollen. Das kann die Lernzeit für alle verkürzen.
  • Stärkung der Katzenbeziehung untereinander: Beim Training überträgt sich positive Stimmung von einer Katze auf die andere. Sie verbinden die positive Trainingserfahrung mit der Anwesenheit der anderen Katze. Außerdem lernen sie beim Training wichtige Dinge wie Warten und verbessern damit ihre Impulskontrolle. Das wiederum hilft im Alltag dabei, Spannungen zu reduzieren.
  • Zeitersparnis: Mir fällt es leichter, mich einmal für eine gemeinsame Session aufzuraffen, als mit jeder Katze einzeln 5 bis 10 Minuten zu üben. Vor allem ab 3 Katzen wird das Einzel-Training zu einem ganz schönen Zeit-Fresser. So kann man in einem Rutsch alle glücklich machen.

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Mit wie vielen Katzen clickerst du oder würdest gerne clickern?

Schritte zum erfolgreichen Sitzplatz-Training

Die allerwichtigste Grundlage für das Training mit mehreren Katzen ist ein fester Sitzplatz. Ansonsten herrscht nur Chaos. Jede Katze muss lernen, auf einem Platz zu warten, bis sie an der Reihe ist. Das bringt Ruhe rein und ermöglicht es dir, alle Katzen geordnet nebeneinander zu trainieren.

Das brauchst du dafür

  • Der richtige Platz: Du kannst Hocker (z.B. Kindertritt von IKEA), Platzdecken, Handtücher oder auch Stühle nehmen. Mein Tipp: Erhöhte Plätze sind oft besser. Die kleine Hürde, erst herunterspringen zu müssen, macht es der Katze oft leichter, dort auch wirklich sitzen zu bleiben.
  • Das Signal (Clicker oder Stimme): Du hast die Wahl zwischen einem klassischen Clicker oder einem eigenen Geräusch. Ich persönlich arbeite lieber mit einem Mundgeräusch (wie Schnalzen, einem Kuss-Geräusch oder einem kurzen Wort). Der Clicker ist nämlich ein Gegenstand mehr, den ich halten muss, was bei manchen Tricks einfach unpraktisch ist.
  • Die Belohnung: Deine Katze muss motiviert sein. Finde heraus, was sie liebt – Schlecksnacks sind oft der Hit, bei manchen reicht aber auch Trockenfutter. Wichtig: Trainiere nicht direkt nach dem Fressen, wenn sie satt sind, aber lass sie auch nicht hungern.

Erst einzeln, dann gemeinsam

Mit einer einzigen Katze das Clickern zu beginnen, ist schon eine kleine Herausforderung. Aber gleich mehreren Katzen gleichzeitig etwas Neues beizubringen? Das endet schnell im absoluten Chaos! Natürlich will jede sofort mitmachen und die besten Leckerlis abstauben.

Deshalb meine klare Empfehlung: Starte erst einmal einzeln. Bring jeder Katze die Grundlagen und den Sitzplatz in Ruhe bei. Erst wenn das bei allen sitzt, bringt ihr die Gruppe zusammen.

Was, wenn die Katzen sich nicht trennen lassen?

Nicht jede Katze findet geschlossene Türen toll oder lässt die andere in Ruhe trainieren. Hier sind ein paar Tricks, wie du dir trotzdem exklusive Zeit mit einer Katze verschaffen kannst:

  • Ablenkung ist alles: Ein gut gefülltes Fummelbrett oder ein Intelligenzspielzeug im anderen Raum beschäftigt die wartende Katze, während du trainierst.
  • Nutze den Freigang: Wenn du Freigänger hast, nutze die Zeit, in der eine Katze draußen unterwegs ist, um mit der anderen drinnen zu üben.
  • Räumlicher Abstand: Manchmal hilft es, nicht nur eine Tür, sondern gleich zwei Türen (z.B. mit dem Flur dazwischen) zwischen euch zu bringen. So hört die andere Katze die Clicker-Geräusche nicht so stark.
  • Hol dir Hilfe: Wenn du nicht alleine wohnst, kann eine zweite Person die anderen Katzen im Nebenzimmer bespaßen, mit ihnen spielen oder Futter werfen.

Katze-Fummelbrett-Intelligenspielzeug-Beschaeftigung
Mein Kater Bambi, wie er mit Begeisterung das Futter aus seinem Fummelbrett „fummelt“. Das beschäftigt ihn dann mal ca. 15 Minuten.

Schritt 1: Sitzplatz hinstellen, bei Annäherung clicken und belohnen

Ab jetzt sollte dieser Gegenstand nur noch für das Sitzplatztraining verwendet werden. D. h. nach dem Training wird er weggeräumt und erst wieder zum Training rausgeholt.

Jetzt geht es los mit dem Training: Platziere den Sitzplatz vor dir auf dem Boden. Zu Beginn klickst und belohnst du jede kleine Annäherung, jedes Interesse, wie z.B. 1 oder 2 Pfoten auf dem Platz. Du kannst deine Katze anfangs auch ruhig mit Futter locken, um den neuen Platz interessant zu machen. Sobald sie sich traut und auf den Platz geht, gibt es eine große Belohnung. Hier lohnt sich das sogenannte „Festfressen“: Füttere ihr nacheinander mehrere Stückchen, solange sie auf dem Platz bleibt. So verknüpft sie den Ort sehr schnell mit etwas Positivem.

Schritt 2: Draufstellen belohnen

Sobald deine Katze verstanden hat, dass der Platz etwas Tolles ist, bring etwas Bewegung ins Spiel. Wirf das Belohnungsleckerli (oder gib die Schleckpaste) nun bewusst vom Platz weg. So muss deine Katze den Sitzplatz verlassen und hat dadurch die Chance, sich das nächste Leckerli zu verdienen, indem sie wieder auf den Sitzplatz geht.

Warte entweder, bis sie von selbst zurückkommt oder locke wieder ein bisschen. Sobald sie draufsteht: Click und Belohnung. So entsteht ein Kreislauf, und deine Katze lernt, den Platz gezielt aufzusuchen.

Schritt 3: Für Sitzen belohnen

Sobald deine Katze zuverlässig auf ihren Platz geht, können wir weitermachen. Wenn sie dort ankommt und steht, warte erst einmal einen kurzen Moment ab, bevor du clickst. Oft setzen sich Katzen von ganz alleine hin, wenn man ihnen einen Augenblick Zeit lässt.

Falls sie stehen bleibt, kannst du etwas nachhelfen: Nimm ein Leckerli und führe es langsam über ihren Kopf nach hinten. Ihr Blick folgt der Hand nach oben und der Po geht dabei fast automatisch runter. Sobald sie sitzt: Click und Belohnung.

Schritt 4: Die Dauer verlängern

Ab jetzt ändern wir die Spielregeln ein wenig: Das neue Kriterium ist nicht mehr nur das Hinsetzen, sondern das Sitzenbleiben. Deshalb wirfst du das Leckerli nun nicht mehr weg, sondern gibst es direkt auf dem Platz, damit deine Katze dort verweilt.

Wenn deine Katze sitzt, warte einen kurzen Moment ab und clicke erst eine Sekunde später. Dehne diese Zeitspanne nun schrittweise aus. Clicke am Anfang alle zwei Sekunden, dann alle drei und später alle fünf Sekunden. Es hilft, wenn du dabei im Kopf mitzählst, um die Zeit langsam zu steigern. So lernt deine Katze, dass sich geduldiges Warten lohnt.

Schritt 5: Ablenkung einbauen und das Warten festigen

Wenn das gut klappt, ist es Zeit, den Schwierigkeitsgrad ein letztes Mal zu erhöhen und Ablenkung ins Spiel zu bringen.

Versuche nun, dich während der Wartezeit etwas zu bewegen. Du kannst zum Beispiel:

  • Deine Arme heben oder schwenken.
  • Deine Sitzhaltung verändern.
  • Dich auf deinem Platz etwas hin und her bewegen.

Wenn deine Katze trotz dieser Bewegungen ruhig sitzen bleibt: Perfekt! Click und Belohnung. Wenn nicht, mach deine Bewegung kleiner und langsamer und probier es nochmal.

Warum machen wir das eigentlich? Ganz einfach: Diese Übung ist die ideale Trockenübung für später. Wenn du mit zwei oder mehr Katzen gleichzeitig trainierst, sind die anderen Katzen dann die Ablenkung. Mit diesem Schritt lernt deine Katze schon jetzt: „Egal, was mein Mensch da hampelt oder was um mich herum passiert – wenn ich sitzen bleibe, werde ich belohnt.“

Das gemeinsame Training: Jetzt geht’s los

Wenn jede deiner Katzen sicher auf ihrem Platz sitzen kann und das kurze Warten verstanden hat, ist es Zeit für den nächsten Schritt: Du bringst beide zusammen.

Clickertraining Im Mehrkatzenhaushalt
Gemeinsames Clickertraining jeder mit eigenem Sitzplatz

Das erste Mal zusammen trainieren

Hol beide Sitzplätze hervor und warte bis sich beide Katzen auf ihre Plätze gesetzt haben. Am Anfang halten wir die Anforderungen ganz niedrig. Es geht nur darum, dass sie beide sitzen bleiben. Wenn ja: Click und Leckerli für beide.

Achte besonders am Anfang darauf, die Belohnungsfrequenz sehr hoch und absolut abwechselnd zu halten. Ein Leckerli für die eine, eins für die andere. Das ist wichtig, damit keine Katze zu lange warten muss und frustriert wird, während die andere munter futtert. Später kannst du die Intervalle vergrößern und zum Beispiel fünfmal mit der einen Katze etwas üben, bevor die andere wieder an der Reihe ist.

Beende das Training, indem du ein Leckerli weg vom Sitzplatz gibst und die Hocker (oder was auch immer du gewählt hast) wieder wegräumst. Damit keine Trauer über das Ende des Trainings aufkommt, kannst du auch noch ein bisschen Trockenfutter in ein Fummelbrett geben.

Namen trainieren: Wer ist dran?

Als nächsten Schritt kannst du zum Beispiel Namen trainieren. Das bringt noch ein bisschen mehr Ordnung in die Sache, da dann jede Katze weiß, wer gerade gemeint ist. Ich mache das zum Beispiel so:

  • Ich sage „Wilma“ – Wilma bekommt das Leckerli.
  • Ich sage „Bambi“ – Bambi bekommt das Leckerli.
  • Die Katze, deren Name nicht genannt wurde, bekommt in dem Moment nichts.

So lernen sie: Mein Name ist das Startsignal für „Ich bin dran“. Damit kannst du später jeder Katze einzeln gezielt Kommandos geben.

Herausforderungen beim gemeinsamen Trainieren

Es läuft beim Training natürlich nicht immer alles sofort nach Plan. Hier sind zwei Situationen, die fast jeder kennt, und wie du am besten darauf reagierst:

Eine Katze drängelt

Wenn eine deiner Katzen nicht abwarten kann und versucht, sich vorzuschieben oder direkt an das Futter zu kommen, ist die wichtigste Regel: Nicht belohnen! Schiebe sie sanft mit dem Arm oder der Hand zur Seite, sodass sie nicht an das Leckerli herankommt. Warte dann geduldig, bis sie wieder ruhig auf ihrem Platz sitzt. Erst wenn sie sitzt, folgen der Click und die Belohnung.

Die Katze verlässt den Platz

Wenn eine Katze einfach aufsteht und geht, hat das meist zwei Gründe: Entweder war die Belohnungsrate zu niedrig (sie ist frustriert) oder die Trainingsmotivation ist einfach vorbei.

Ich kenne das von meiner Wilma gut: Manchmal geht sie einfach vom Platz runter und legt sich ein paar Meter weiter hin. Das ist ihre Art zu sagen: „Ich hab keine Lust mehr, es reicht jetzt.“ Das ist vollkommen okay! Katzen haben oft keine ewig lange Aufmerksamkeitsspanne. Zwinge sie dann nicht zurück.

In so einem Fall trainiere ich einfach mit meinem Kater Bambi weiter. Wilma darf gerne wieder dazukommen, wenn sie möchte, aber solange sie ihren Platz verlässt, gibt es für sie eben kein Leckerli mehr. Bleib da ganz entspannt.

Trainingsplan: In 7 Tagen zum gemeinsamen Clickertraining

Wann?Was wird trainiert?Ziel
Tag 1 Vorbereitungen treffenHocker/ Sitzplatz besorgen, Leckerlis aussuchen.
Tag 2Jede Katze einzeln: Der Sitzplatz Sitzplatz zum ersten Mal einführen. Beginne damit jede Annäherung mit Click + Leckerli auf dem Platz zu belohnen. Wenn das gut klappt, auch Leckerlis weg vom Platz geben, damit sie zurückkommen muss. Nach ein paar Mal Erfolg nur noch für Sitzen belohnen.
Tag 3Einzeln: DauerBeginne wieder mit Sitzen belohnen, wenn das zuverlässig funktioniert, kurz Warten. Verzögere den Click um 1–2 Sekunden, wenn die Katze sitzt. Füttere sie auf dem Platz, damit sie bleibt.
Tag 4Einzeln: AblenkungBeginne mit ein paar Mal auf dem Sitzplatz belohnen. Dann beginne mit kleiner Bewegung, hebe den Arm. Click + Belohnung, wenn sie ruhig sitzen bleiben.
Tag 5Zusammen: Das erste TreffenNimm beide Sitzplätze und lege sie vor dich. Warte, bis sie sich hinsetzen und belohne mit Click + Leckerli. Ab jetzt immer am Platz belohnen. Falls es nicht direkt klappt, locke sie zum Platz. Jetzt die Belohnungsfrequenz hoch halten, Click, für beide Futter, Click, für beide Futter. Einfach für Anwesenheit und Sitzen belohnen.
Tag 6Zusammen: Sitzplatz festigenGenau gleich wie gestern beginnen. Festigen, dass jeder auf seinem Platz bleibt. Wenn einer den Platz verlässt oder versucht an die Leckerli/ zur anderen Katze zu gehen, sanft wieder zurückführen zum Platz. Wenn es gut klappt, verzögere den Click wieder um 1–2 Sekunden, wenn die Katzen brav sitzen. Die Dauer Ziel: Impulskontrolle. S
Tag 7Zusammen: Namen oder bekannten TrickNamen einführen oder bekannten Trick abfragen. Für den Namen sage den Namen der Katze A -> Katze A bekommt was. Sage „Katze B -> Katze B bekommt was. Wer nicht dran ist, wartet. Du kannst auch mehrmals Katze A hintereinander dran nehmen, wenn es gut mit der Geduld klappt.
Tag 8 Zusammen: Bereit, um neuen Trick lernenGeschafft! Du bist bereit, um gemeinsam mit deinen Katzen zu trainieren.

Häufige Fragen (FAQ)

Hast du Fragen? Stell sie mir in den Kommentaren und ich beantworte sie hier 🙂

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