Wie dazwischengehen, wenn Katzen sich streiten

Es passiert schneller, als man denkt: Zwei Katzen geraten aneinander, es wird gefaucht, geknurrt, vielleicht sogar gekämpft. Da stellt man sich die Frage: Soll ich dazwischengehen – und wie genau mache ich das eigentlich?

Ich habe das mit meinen eigenen Katzen mehr als einmal erlebt. Vor allem nach einer längeren Trennung wegen Krankheit musste ich Bambi und Wilma neu aneinander gewöhnen – und das lief nicht ohne Konflikte.

Zwei Katzen bedrohen sich offensiv © Foto von Ayu Anggraini auf Unsplash

In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du bei einem Streit richtig eingreifst, was du auf keinen Fall tun solltest, und wie du solche Situationen möglichst stressfrei für dich und dein Katzen löst.

Meine Erfahrung mit Bambi und Wilma

Meine Katzen waren – oder sind – nicht unbedingt die besten Freunde. Schon von Anfang an. Ich habe sie aus dem Tierheim bekommen, und dort wurden sie mir beschrieben als ein Dream-Team, das nur zu zweit vermittelt werden soll. Als ich sie dann zu Hause hatte: nur Fauchen und keine Freundschaft.

Mit Hilfe und Tipps der Tierheim-Mitarbeiterin hat sich dann aber gelegt. Mittlerweile sind die zwei eine sehr gute Zweckgemeinschaft geworden, es verbindet sie jetzt nicht die große Liebe, aber sie akzeptieren sich. Nachdem Wilma dann längere Zeit krank war und wir sie von Bambi getrennt haben, damit sie sich besser erholen kann, haben sich die zwei entfremdet. Einfach so zusammenlassen war keine Option, ich musste sie neu zusammenführen. Zum Glück habe ich in der Zwischenzeit meine Ausbildung zur Katzenverhaltensberaterin gemacht und gelernt, wie man das am besten angeht.

In dieser Zeit der Zusammenführung gab es dann natürlich auch öfter mal ein paar Katzenstreits, Angriffe, bei denen ich dazwischengehen musste. Durch konsequentes Dazwischengehen und gemeinsames Clickertraining verstehen die beiden sich wieder sehr gut und ab und zu wird sogar nebeneinander geschlafen. Falls du wissen willst, wie man seine Katzen zusammenführt, kannst du das hier nachlesen: https://typischkatze.de/katzen-zusammenfuehrung/.

Wilma schleckt Bambi ab, sie verstehen sich wieder sehr gut

Tipps zum Dazwischengehen bei Katzenstreit

1. Blickkontakt unterbrechen

Der einfachste Weg, um einen Konflikt direkt zu unterbrechen, ist den Blickkontakt zwischen den zwei Streithähnen zu unterbrechen. Zum Beispiel, indem man ein Stück Pappe dazwischen hält. Das kann ein Stück von einem alten Karton sein, ein Ordner – ein DIN-A4-Blatt ist manchmal zu klein.

Man kann sich aber auch selbst als Blocker verwenden, sich zwischen die Katzen stellen oder einen Fuß. Das tut in den meisten Fällen seinen Zweck: Der akute Streit wird beendet, und die Katzen gehen getrennt auseinander.

Einen Karton zwischen die Katzen schieben, um den Sichtkontakt zu unterbrechen.

2. Nicht strafen, schimpfen oder schlagen

Eines hilft leider gar nicht: Schreien, schimpfen oder gar schlagen. Das stachelt die Aggression nur noch mehr an. Deine Katze kann in dem Moment nicht zuordnen, warum sie jetzt geschlagen oder angeschrien wird. Die Beziehung zu dir als Mensch verschlechtert sich, und auch zu ihrer Partnerkatze – weil sie eventuell denkt, der Schmerz wurde von der anderen Katze verursacht. Wenn du während eines Streits auch noch körperlich angegriffen wirst, wirst du ja auch nicht weniger wütend, oder? Da geht das Potenzial, sich zu beruhigen, verloren – und das macht die Katze nur noch aggressiver.

Auch im Nachhinein bringt eine Strafe nichts. Die Katze weiß nicht, wofür sie jetzt bestraft wird. Sie kann nicht zuordnen: „Ah, ich werde jetzt bestraft, weil ich vorhin die andere Katze verfolgt habe.“ Das weiß sie einfach nicht. Also: lassen.

3. Ablenken mit Geräuschen

Katzen lassen sich auch sehr gut unterbrechen, indem man ein Geräusch macht oder etwas fallen lässt. Wichtig ist nur: Nichts auf die Katze drauf werfen!

Meine Lieblingsmethode ist, einfach einen Stift, Kuli oder irgendeinen kleinen Gegenstand, der gerade griffbereit ist, auf den Boden zu werfen – aber nie auf die Katze, sondern ein bis zwei Meter daneben. So guckt sie kurz: „Huch, was ist denn da hinten?“ Und das gibt der anderen Katze die Chance, sich aus der Situation lösen – z. B. Wegzulaufen, während die andere kurz abgelenkt ist. Das hilft wirklich Wunder.

Wenn’s richtig schlimm wird

Angenommen, es ist ein richtig schlimmer Streit – also so ein richtiges Knäuel mit Jaulen und allem Möglichen – dann bitte niemals mit den Händen dazwischengehen! Das gibt mit Sicherheit eine Verletzung.

Lieber mit einem Gegenstand, einem Karton oder ähnlichen dazwischengehen. Und wieder: nicht schlagen oder aggressiv werden, sondern sanft den Sichtkontakt unterbrechen. Das kann auch ein Möbelstück sein, das man zwischen die beiden schiebt.

Nach dem Streit: Auszeit

Wenn der Streit vorbei ist – also z. B. eine Katze ist weggelaufen – ist das der optimale Moment, eine kurze Auszeit für beide Katzen einzuführen. Einfach mal eine Tür dazwischen machen, damit sich beide von dem emotionalen Hoch runterregulieren können. Dann gibt man ihnen die Chance, sich beim nächsten Aufeinandertreffen wieder neutral zu begegnen.

Was auch hilfreich sein kann: ein Baldrian- oder Katzenminze-Kissen. Da können Katzen wunderbar ihre Aggressionen oder Frust von dem Konflikt rauslassen. Die werden manchmal auch „Prügelkissen“ genannt, weil die Katzen da ihre Hinterpfoten einsetzen und dagegen pföteln.

Wenn du so ein Kissen verwendest, gib natürlich jeder Katze eins davon. Am besten in zwei verschiedenen Zimmern, damit sie sich getrennt voneinander abreagieren können.

Wilma reagiert sich gerne an dem Katzenminzekissen ab.

Was du nicht tun solltest

Bitte, bitte nicht auskämpfen lassen! Es gibt viele Theorien im Internet, dass Katzen ihre Rangordnung auskämpfen müssten – aber das ist absoluter Quatsch. Katzen sind keine Rudeltiere. Sie kämpfen keine Rangordnung aus.

Wenn es ein wirkliches Problem gibt, dann klärt sich das nicht durch „auskämpfen lassen“. Im Gegenteil: Es würde immer wieder passieren. Daher gilt die Devise: jeden Streit unterbrechen, so früh und so schnell wie möglich.

Denn jedes schlechte Erlebnis mit der Partnerkatze belastet die Beziehung. Es ist wie ein Fass – und jeder Streit ist ein weiterer Tropfen. Irgendwann läuft das Fass über, wenn es nur negative Erlebnisse gibt. Dann kippt die Beziehung. Und das wollen wir natürlich nicht.

Natürlich gibt es auch normale kleine Kabbeleien – die müssen nicht immer schlimm sein. Aber wenn es schlimm ist – z. B. eine Katze verfolgt die andere einseitig, die Aggression ist nicht ausgeglichen, es wird laut, es wird gejault oder sogar geschrien – dann bitte unbedingt dazwischengehen, so wie oben beschrieben.

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